Grußwort des dbb Bundesvorsitzenden Peter Heesen
für die Homepage „Symposium Ethik 2010“ des DBSH
Wissen und Gewissen sind ohne Zweifel grundlegende Leitlinien für menschliches Handeln. Würden sie im praktischen Alltag uneingeschränkt gelten, wäre die Welt besser. Doch schon eine oberflächliche Betrachtung zeigt, dass dem anders ist: täglich sehen wir uns – neben Bedrohungen von außen wie dem internationalen Terrorismus – Gewalt gegen Sachen und Menschen ausgesetzt. Hilflose Menschen werden ebenso grundlos wie brutal zusammengeschlagen. Ein Menschenleben zählt nichts mehr. Den freiheitlichen Industriegesellschaften ist weitgehend das Bewusstsein für die Notwendigkeit abhanden gekommen, dass Freiheit ohne Gleichheit nicht zu haben ist und nur Solidarität eine freiheitliche Gesellschaft zusammenhält. Zudem blühen die verschiedensten Spielarten der Habgier mit dem einzigen Ziel, so schnell an so viel Geld zu kommen wie möglich. Eine Mentalität, die uns in die größte Krise der Nachkriegszeit gestützt hat. In dieser Folge wird auch die staatliche Gemeinschaft nur noch als ein freiheitsberaubendes und hilfloses Geldverteilungsmonster verstanden, mit dem man nach Belieben umspringen darf. Sei es durch Umgehen seiner Vorschriften, durch Missbrauch von Sozialleistungen, durch Steuerbetrug, durch Gewalt gegen Menschen, die Staatsorgane verkörpern und durch Zerstörung seiner gesellschaftlichen Grundlagen.
Das hat immer deutlicher zu Tage tretende Konsequenzen für unser Zusammenleben, denn mehr und mehr Menschen sind diesem Druck nicht mehr gewachsen und brauchen Hilfe. Deshalb muss es unsere gemeinsame Aufgabe sein, auf dem Weg in die Wissensgesellschaft neben dem Aufbau von immer mehr Wissen vor allem das Gewissen der Menschen zu bilden. Dazu zählt auch, Verantwortung zu übernehmen. Zwar sollte das zuvörderst die Aufgabe der kleinsten unserer Gemeinschaften, der Familien, sein. Doch gerade dort stellen wir fest, dass Familien immer öfter scheitern und zerbrechen. Die staatliche Gemeinschaft muss sich verstärkt dieser Aufgabe widmen. In diesem sensiblen Bereiche leisten die Kolleginnen und Kollegen in Sozialarbeit, Erziehung, Jugendhilfe, Heilpädagogik und weiteren sozialen Bereichen mit beispiellosem Engagement und Idealismus unschätzbares für die Gesellschaft. Andererseits aber werden sie stiefmütterlich behandelt, was ihre Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt ihre Einkommen betrifft. Wo soziale Einrichtungen ihre Leistungen immer billiger anbieten sollen, wo Qualitätsdumping in der Pflege betrieben wird und wo Fachpersonal mit hervorragender Qualifikation und Ausbildung als bloßer Kostenfaktor betrachtet wird, der einfach wegrationalisiert werden kann, wird nicht nur am falschen Ende, sondern bewusst auf Kosten der ganzen Gesellschaft gespart.
Der dbb steht als gewerkschaftliche Spitzenorganisation der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes über die berufspolitische Interessenvertretung hinaus auch in einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung. Daher ist es uns ein Grundanliegen, die Bemühungen des DBSH für die sozialen Bereiche im öffentlichen Dienst und damit um mehr gesellschaftliche Gerechtigkeit nach Kräften zu unterstützen. In diesem Sinne wünsche ich Ihrem „Symposium Ethik 2010“ einen konstruktiven Verkauf mit weitreichenden Handlungsanstößen.
Ihr
(Peter Heesen)
- Bundesvorsitzender -